Gleitschirmfliegen Start

Das richtige, sichere Starten mit dem Gleitschirm gliedert sich im Groben in vier Phasen. Dabei gehen die jeweiligen Phasen geschlossen ineinander über, sodass ein kontinuierlicher Bewegungsablauf entsteht. Hierbei sind die volle Konzentration und Reaktionsvermögen des Piloten gefragt, sodass diese Prozedur immer wieder trainiert werden sollte um die maximale Sicherheit gewährleisten zu können – beispielsweise auch beim Groundhandling.

1.Phase: Die Startvorbereitung

Hier geht es um die mentale Vorbereitung auf den Startvorgang. Dazu gehört das Erkunden des Startplatzes, eventueller Hindernisse, Besonderheiten, der Startstrecke und Möglichkeiten zum Startabbruch. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da während eines Problems beim Startvorgang keine Zeit bleibt um gemütlich einen Plan B auszuarbeiten. Auch hilft es, sich den Startablauf vorzustellen und einmal im Kopf durchzugehen. Besonders bei unbekannten Fluggebieten darf all dies ruhig etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Wenn das erledigt ist kann mit der Ausrüstung weitergemacht werden. Sollte viel Verkehr am Startplatz herrschen, empfiehlt es sich etwas abseits vorzubereiten, den Gleitschirm auszulegen und Leinen zu checken, sowie das Gurtzeug anzulegen. Mit dem Schirm zur Rosette zusammengezogen kann so an den Start gegangen werden.

Nun beginnt die heiße Phase der Startvorbereitung – der Vorflugcheck. Neben dem Startcheck ist Vorflugcheck eine der wichtigsten Punkte. Folgende Schritte sollen dabei Beachtung finden.

Vorflugcheck

  • Wetter: Vergewissere dich, dass keine gefährlichen Wetterentwicklung zu erwarten ist.
  • Gurtzeug und Rettung: Schließe, falls nicht schon getan, Beingurte und Brustgurte, kontrolliere die Einstellung. Überprüfe Splinte, Auslösegriff und den sicheren Verschluss des Rettungsgeräts.
  • Kappe: Lege den Gleitschirm bogenförmig aus, sodass alle Kammern geöffnet sind und die Eintrittskante gut Luft schnappen kann.
  • Tragegurte und Leinen: Tragegurte aufnehmen und entwirren, Leinenschlösser, Beschleunigersystem, Bremsleinen und Bremsleinenknoten kontrollieren. Nun die einzelnen Leinenebenen voneinander trennen, dabei mit den Bremsleinen beginnen und bis zu den A-Leinen hocharbeiten. Stabilo-Leinen nicht vergessen (Brötchengefahr!).

Ist der Vorflugcheck abgeschlossen können die Tragegurte aufgenommen und sorgfältig eingehängt werden. Dabei nicht vergessen die Brummelhaken des Beschleunigers zu verbinden und das System auf Freigängigkeit prüfen. Anschließend stellt der Pilot sich in der Grundhaltung vor den Gleitschirm auf und beginnt mit dem 5-Punkte-Check, oder auch Startcheck genannt. Hierbei gilt für Anfänger, wie auch für versierte Piloten: Kein Start ohne Startcheck! Folgt der Start nicht unmittelbar nach dem Startcheck ist dieser vollumfänglich zu wiederholen.

Startcheck

  • Pilot: Bein- und Brustgurt(e) geschlossen, Karabiner geschlossen, Helm aufgesetzt und geschlossen?
  • Leinen: Leinen freilaufend, Tragegurte unverdreht eingehängt, Beschleunigersystem eingehängt und frei?
  • Kappe: Bogenförmig ausgelegt und alle Kammern offen? Pilotenposition entsprechend ausgerichtet?
  • Luftraum: allseitig frei?
  • Wind: passend? (Windrichtung, auch rückwärtig; Böen etc.)

2. Phase: Aufziehphase

Beginnend in der Grundhaltung folgt die gesamte Aufziehphase aus dem Gefühl heraus. Dabei kann über die Leinendrücke sehr gut bestimmt werden, ob der Schirm ausbricht beziehungsweise wo und wie gegengesteuert werden muss. Der Blick ist in dieser Phase immer nach vorne gerichtet, um den Anlaufweg und eventuelle Hindernisse oder Stolperfallen einsehen zu können.

Unterteilt in Füll- und Steigphase reicht die Aufziehphase bis zur Kontrollphase.

Füllphase:

  • Die Hände bleiben hinter dem Körper und sollten lieber länger als zu kurz geführt werden. Dies trägt zur Stabilität bei und sollte bis in die Steigphase beibehalten werden, zumindest bis der sich füllende Schirm einen deutlichen Widerstand spürbar macht.
  • Der Druck auf den Schirm kommt ausschließlich aus den Beinen und der Körpervorlage.

Steigphase:

  • Sobald der Druck des Gleitschirms deutlich nachlässt, das heißt, dass die Kappe selbstständig weitersteigt, Tempo reduzieren und steigen lassen.
  • Tragegurte loslassen. Bricht der Schirm aus, oder verlässt die vorgesehene Startrichtung, zur Korrektur unterlaufen und zusätzlich einseitig einbremsen.
  • Jetzt den Gleitschirm gefühlvoll auf Kurs halten. Bei weiterlaufender Vorschießtendenz schnell und deutlich einbremsen.

3. Phase: Kontrollphase

Die elementar wichtige Kontrollphase endet mit der Entscheidung: Start oder Startabbruch. Dabei ist gleichzeitig der Druck auf den Gleitschirm bei einer Vorwärtsbewegung zu halten, sowie der Kontrollblick durchzuführen. Hierbei geht der Blick des Piloten einmal von einer Seite der Kappe zur anderen um eventuelle Leinenhänger, Knoten oder sonstige Probleme zu erkennen. Bestenfalls dauert dieser mehrere Sekunden, bei schnellen, steilen Starts oder schwierigeren Bedingungen kann er aber auch sträflich kurz ausfallen.

Jetzt fällt die wichtige Entscheidung, ob der Start weitergeführt oder abgebrochen wird.

4.Phase: Beschleunigen und Abheben

Die Entscheidung für den Start ist gefallen. Nun heißt es wieder Blick geradeaus und Steuerung über das Gefühl. Die Beschleunigungsphase unterscheidet sich dabei von flachen zu steilen Startplätzen ein wenig.

Bei flachen Startplätzen muss die, aus der Aufziehphase aufgebaute Geschwindigkeit gehalten und gesteigert werden. Durch den kleinen Winkel der Anlaufstrecke bedarf es einer höheren Anlaufgeschwindigkeit, was in höherem Auftrieb resultiert. Das bedeutet: Blick auf die Startstrecke und Oberkörper vor. Nun sind die Bremsen langsam zu lösen und kontinuierlich zu beschleunigen bis die Startgeschwindigkeit erreicht ist. Anschließend dosiert anbremsen und weiterlaufen, bis die letzten Schritte in der Luft erfolgen.

In steilem Startgelände geht der Pilot wie folgt vor. Die meist tief heruntergezogenen Bremsleinen durch die höhere Vorschießtendenz aus der Aufziehphase werden dosiert freigegeben, aber nicht ganz gelöst, und kontinuierlich beschleunigt. Aufgrund des steilen Winkels der Startstrecke, aber der niedrigeren Geschwindigkeit, wird der nötige Auftrieb zum Abheben bei kleinem Lauftempo und höherem Steuerleinenzug erfolgen.

Sobald die Luft unter den Füßen mehr wird angebremst bleiben. Im freien Luftraum kann nun dosiert Fahrt aufgenommen werden. Mit genügend Sicherheitsabstand wird erst jetzt die endgültige Sitzposition eingenommen.