GoPro Gimbal Feiyu Tech FY-WG im Test

Verwackelte Filmaufnahmen sind oft ein Ärgernis, sowohl für den Kameramann wie auch für den Zuschauer. Selbst die schönsten Szenen werden ohne ruhige Kameraführung unbrauchbar und landen dann nach dem Flug oft in der Rundablage.

Während des Fliegens ist es leider selten möglich, sich voll und ganz auf die Aufnahme ruhiger Videoszenen zu konzentrieren. Kopf und Augen kreisen beim Fliegen ständig in drei Dimensionen,… wo ist die nächste Wolke?, wo geht Thermik ab?, wo kreisen Vögel?, was macht der Schirm?, ist der Luftraum frei?, Windrichtung und -stärke?… kommen außerdem noch turbulente Flugbedingungen und Thermiken mit hinzu, ist das Wackelvideo dann so gut wie sicher…

Richten muss die Achterbahnfahrt, sofern überhaupt möglich, dann im Nachgang eine Stabilisierungssoftware – und das Ergebnis lässt leider meist zu wünschen übrig. Sind die Bewegungen im Video zu stark ausgeprägt, dann ist die Szene softwaremäßig meist nicht mehr zu retten.

Ein besserer, weil effektiverer Weg ist die Vermeidung von Wackelbildern bereits während der Aufnahme über eine optisch/mechanische Lösung, mit einem sogenannten Gimbal.

Was ist ein Gimbal?

Grundsätzlich ist ein Gimbal eine kardanische Aufhängung eines mittig gelagerten Gegenstandes (in unserem Fall eine GoPro) auf sich zueinander rechtwinklig angeordnete Drehlager. Die Drehlager gleichen hierbei

Kreisel kardanische Aufhängung

Kardanische Aufhängung (Kreisel) / Quelle: WIkipedia

Systembewegungen oder Erschütterungen aus und halten das Objekt ruhig im System-Schwerpunkt. Bei Schiffen wird das System zum Beispiel genutzt, um einen Kompass in der Waage zu halten und Wellen- oder Schiffsbewegungen auszugleichen.

Bei unserem kleinen Gimbal werden nach aktuellem Stand der Technik die Drehlager mittlerweile durch kleine bürstenlose Elektromotoren ersetzt. Diese sind in der Lage, selbst kleinste Veränderung blitzschnell zu kompensieren – die Steuerung übernimmt hierbei eine Gyroskop-Steuerelektronik. Durch die Achsen-Stabilisierung in X-, Y-, und in Z-Richtung sorgt das Gimbal-System dann in Verbindung mit einer Actioncam für verwackelungsfreie geschmeidige Videosequenzen.

Braucht man das?

Kann i für „man“ ned beantworten, aber für mich persönlich lautet die Antwort auf diese Frage: UNBEDINGT!

Die Bilder, die ich während meiner Testflüge in Marokko einfangen konnte, sind wirklich sehenswert und machen Lust auf mehr. Während normal gefilmte GopPro-Videos verwackeln oder im Massenangebot untergehen, so hebt ein per Gimbal stabilisiertes Videomaterial das visuelle Erlebnis auf eine völlig neue Stufe. Mehr noch: Ich war von den ersten Ergebnissen bereits am Aufnahmetag in Marokko dermaßen begeistert, dass ich sage und schreibe gute 4 Wochen gebraucht habe, um diese Eindrücke hier in meinem Blog zu verarbeiten…, habt bitte Nachsicht mit mir! 🙂

Feiyu Tech FY-WG im Test

Der chinesische Gimbal-Hersteller FeiYu ElectronicTechnology verfügt bereits seit 2007 über Erfahrung im Bau von Gimbals und Stabilisierungssystemen für Actioncams und Smartphones. Mit dem Feiyu Tech FY-WG bietet der Hersteller nun eine 3-Achsen handless-Version an, die aufgrund der kompakten Bauweise gerade für uns Gleitschirmflieger interessant sein dürfte.

Erhältlich ist das Feiyu Tech FY-WG GoPro Gimbal im Paragliding.de-Shop für roundabout 249€. Dies ist auf den ersten Blick zwar ein stolzer Preis, relativiert sich jedoch in der Anschaffung, sobald man die ersten mit dem GoPro Gimbal stabilisierten Videosequenzen gesehen hat.

Geliefert wird das GoPro Gimbal in einem praktischen gopro gimbal caseAufbewahrungscase, das einen wertigen Eindruck vermittelt. Hier könnte sich selbst GoPro mal ne Scheibe von abschneiden und Ähnliches mit ihren teuren Actioncams liefern. Das eigentliche Gimbal ist aus Metall gefertigt und macht einen soliden Eindruck. Lediglich der Power/Settings-Button ist aus Plastik und fällt damit etwas aus der Reihe.

Eine Bedienungsanleitung in Englisch ist beiliegend und leicht verständlich. Als Zubehör gibt es neben zwei mitgelieferten Akkupaaren, einem billig anmutenden Plastikladegerät außerdem noch Befestigungsmaterial und USB-Kabel ähnlich wie bei der GoPro auch. Nachteil: Eine Fernbedienung zum gezielten Steuern von Aufnahmewinkel oder Kameraschwenks gibt es nur optional und dann auch leider nur kabelgebunden.

Montage sowie Inbetriebnahme gehen einfach von der Hand. Die verschiedensten Inbetriebnahmemodi sind zwar spannend, bedürfen hier aber nicht unbedingt einer Erklärung… interessanter wird sicher sein, was mir im Flug so aufgefallen ist…

GoPro Gimbal in Helmmontage

Am Helm montiert stören die 280 Gramm Systemgewicht (Gimbal u. Cam) erstaunlicherweise kaum mehr als eine herkömmlich montierte GoPro im Schutzgehäuse. Der Aufbau ist zwar höher und breiter und die gut 100 Gramm Mehrgewicht fallen auf, stören

gopro gimbal helmcam

aufgrund des kompakten Formats des Gimbals jedoch nicht außergewöhnlich. Passieren darf halt nix… denn mit dem Aufbau möchte ich dann doch ungerne in den Leinen hängenbleiben.

Die Akkulaufzeit des GoPro Gimbal gibt der Hersteller mit 3-4 Stunden an, die ich aber weder bestätigen noch dementieren kann, da mir meine GoPro-Akkus immer früher die rote Karte gezeigt haben. Im Lieferumfang beiliegend ist ein mini-USB-Kabel zur Stromversorgung von Gimbal auf GoPro. Inwieweit man die Laufzeit der schwachen GoPro-Akkus durch die zusätzliche Gimbal-Stromversorgung stützen bzw. verlängern kann, konnte ich in Marokko leider nicht abschließend austesten.

Als Verfolgercam

Die ersten Testflüge mit dem GoPro Gimbal als Verfolgercam liefern spannend geschmeidige und unverwackelte Videosequenzen aus der Verfolgerperspektive. Allerdings fliegt das Gesamtsystem durch das zusätzliche Gewicht des Gimbals sehr knapp hinter mir und schaukelt sich dabei auch schnell auf. Gimbal, GoPro und Verfolgergestänge wiegen knapp 400 Gramm und dafür ist das

gopro gimbal verfolgercam

Verfolgergestänge mit Federball und Einleiner-Aufhängung nun mal nicht ausgelegt. Hier könnte ich mit einer Doppelaufhängung anstatt nur einer Leine dem Aufschaukeln entgegenwirken. Für mehr Abstand zwischen Piloten und Kamera wäre außerdem anstatt des Federballs eine breitere Stabilisierung notwendig, um deutlich mehr Luftwiderstand zu erzeugen. Nach Marokko haben wir diesbezüglich in Sillian bereits bissel getüftelt und gebastelt (Danke Stefan :)); ob die beschriebenen Veränderungen jedoch Wirkung zeigen muss ich noch Probe fliegen…

Start und Landung mit dem Verfolgergestänge ist bereits ohne Gimbal ein Kunst für sich… mit GoPro Gimbal ist dann aber zwingend ein zweiter Mann erforderlich. Dieser muss sicherstellen, dass das teure Gesamtsystem beim Starten nicht am Boden schleift und/oder beim Landen unsanft aufschlägt. Im Normalfall wird jedoch niemand im Landebereich warten, um die Verfolgercam während des Landens aufzufangen. Die GoPro ist leider ohne Schutzgehäuse im Gimbal montiert, ich empfehle daher mindestens die Verwendung einer aufsteckbaren Schutzlinse, um die Kameralinse im Falle einer unsanften Landung vor Beschädigungen zu schützen.

Zusammenfassend:

Das 3-Achsen Gimbal FY-WG von Feiyu Tech ist derzeit das einzig erhältliche kompakte GoPro-Stabilisierungssystem für Action-Sportaufnahmen, das ohne nachträgliche Bastelarbeiten auskommen kann. Das System ist ab Werk mit Vorbereitung für die GoPro Helmhalterung ausgestattet und die Akkus und Elektronik sind in einem kompakten Gehäuse verbaut.  Mit einem Systemgewicht von knapp 280 Gramm (inkl. GoPro 4) ist das Gimbal außerdem erstaunlich leicht und neben der Verwendung als Helmkamera daher auch als stabilisierte Paragliding-Verfolgercam nutzbar. Der Preis um ca. 280€ ist im Vergleich zu den bisher deutlich teureren Drohnen-Gimbals erschwinglich und aufgrund der dadurch hochwertigen produzierten Filmsequenzen meiner Ansicht nach jeden Euro wert.

Mein Setup: