Paragliding und Drohnen – verträgt sich das??

Warum beschwert sich ein DHV beim Bundesverkehrsministerium? Warum müssen Flieger und Post-Objekte notfalls mit Transpondern ausgerüstet werden?? Und warum haben wir Flieger eigentlich Angst vor Drohnen???

Der zum vergangenen Wochenende veröffentlichte SPIEGEL-Artikel „Beschwerde beim Verkehrsministerium: Drachenflieger warnen vor Paketdrohnen“ wirft einige Fragen auf, mit deren Nichtbeantwortung ich mich ungerne zufriedengeben wollte. Also habe ich nachgehakt und zwar direkt bei Björn Klaasen, Referat Flugbetrieb / Naturschutz / Luftraum beim DHV

Worum ging es?

Während der Zeit vom 01.12.2015 bis 31.03.2016 wurden im Luftraum um Reit im Winkl von der DHL Forschungsflüge angemeldet um deren neuen Postcopter 3.0 auszutesten. Hierfür wurde der Luftraum mit einer temporären Flugbeschränkung belegt die im Bedarfsfall zeitlich aktiviert per NOTAM (Notice(s) to Airmen) ausgegeben wird.

Nachdem nun zu Beginn der neuen Streckenflugsaison eine Verlängerung der Flugbeschränkung im Raum stand, hat der DHV den Wunsch dahingehend geäußert, zukünftig frühzeitig in den Bewilligungsprozess mit eingebunden zu werden um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die zukünftige Beteiligung wurde dem DHV vom Verkehrsministerium zugesichert.

Hierzu Björn Klaasen im Interview:

Paragliding.de: Hallo Björn, vielen Dank für die Möglichkeit eines Interviews! Ich habe den SPIEGEL-Artikel gelesen und bin spätestens mit dem Schlusswort des Artikels leicht bis mittelschwer verwirrt. Warum müssen Flieger und Post-Objekte notfalls mit Transpondern ausgerüstet werden?

Björn Klaasen: Wir wurden letzte Woche vom SPIEGEL angerufen und gefragt, was wir von den Paketdrohnen in Reit im Winkel halten. Leider wurde nicht alles richtig wiedergegeben. Seitens des DHV setzen wir uns schon seit Jahren für eine Beibehaltung des bisherigen Luftraums ohne Transponderverpflichtung ein, der Gleitschirm- und Drachenpiloten das Fliegen nach Sichtflugregeln ermöglicht. Eine Transponderregelung wollen wir ganz sicher nicht. Allein die Vorstellung, dass sich 36.000 Piloten mit Transpondern ausrüsten müssten, damit DHL oder Amazonkunden mit Päckchen beliefert werden, ist für meine Begriffe ein Alptraum.

Paragliding.de: Wir teilen uns derzeit den unkontrollierten Luftraum neben anderen Luftverkehrsteilnehmern auch mit Drohnen und fliegen nach der Regelung see & avoid / sehen und ausweichen. Gibt oder gab es bei dieser Regelung bereits gemeldete Probleme und/oder Zusammenstöße mit (Hobby)Drohnen?

Björn Klaasen: Dafür muss man zunächst erklären, dass derzeit keine Transportdrohnen unkontrolliert irgendwo durch die Gegend fliegen. Die angesprochenen Paketdrohnen waren Teil eines Versuchsprojekts der DHL. Hierfür wurde ein Flugbeschränkungsgebiet festgelegt, welches tageweise per NOTAM aktiviert wurde. Damit wollte das Verkehrsministerium sicherstellen, dass keine anderen Luftverkehrsteilnehmer gefährdet werden. Nun stand eine mögliche Verlängerung im Raum, weshalb wir das BMVI gebeten haben, uns zukünftig zu beteiligen. Das will man seitens des BMVI in Zukunft auch machen.

Im Moment sind eher die Hobbydrohnen, quasi Modellflugzeuge das Problem. Wenn zunehmend Gleitschirmflieger mit Hilfe von Drohnen gefilmt werden wollen oder sich selbst filmen, wird das zukünftig an Start- und Landeplätzen ein echtes Problem. Ein Blick auf youtube spricht Bände. Bisher ist es noch zu keiner Kollision mit Absturz gekommen. Ich rechne aber mit Problemen in der kommenden Saison. Dabei ist durch das Luftverkehrsgesetz in Verbindung mit SERA 3101 klar geregelt, dass Menschenleben nicht gefährdet werden dürfen.

Paragliding.de: Der Copter- und Drohnenmarkt wächst rasant und die Luftverkehrsteilnehmer im Luftraum G nehmen daher auch ständig zu. Google, Amazon, DHL etc. arbeiten und entwickeln eigene Drohnenlösungen für den gewerblichen Paketversand. Sollten sich die Konzepte bewähren und auch entsprechend wirtschaftlich arbeiten werden womöglich weitere Anbieter dieses Beförderungskonzept nutzen wollen. Wie sieht der DHV diese Entwicklung und welche Problematiken ergeben sich daraus?

Björn Klaasen: Der DHV beobachtet die Drohnenproblematik schon länger. Hauptproblematik ist möglicherweise eine Systemumkehr der Luftraumnutzung. Bisher dürfen wir Gleitschirm- und Drachenflieger den Luftraum G und E mit den bekannten Regelungen nutzen. See & Avoid ist hier der Grundsatz für alle Luftfahrzeuge. Überlegungen aus der EU gehen aber dahin, dass Bereiche im unkontrollierten Luftraum für Transportdrohnen genutzt werden dürfen und dem Luftsport nur noch Schutzbereiche zugeordnet werden. Das wäre fatal für den Streckenflug. Ich habe das bereits im letzten Herbst auf den DHV Regionalversammlungen kommuniziert.

Paragliding.de: Habt Ihr diesbezüglich bereits Lösungsansätze erarbeitet und/oder mit öffentlicher Stelle diskutiert?

Björn Klaasen: Das Thema ist auf unserer Agenda und wird im Ausschuss Unterer Luftraum (AUL) und bei der DFS diskutiert. Der DHV ist im AUL mit 2 Personen vertreten. Wir haben darüber hinaus auch demnächst ein Meeting bei der Deutschen Flugsicherung. Auf europäischer Ebene arbeiten wir mit dem DAeC zusammen und stimmen das Vorgehen gemeinsam ab, um unsere Vorschläge einzubringen.

Seitens der Drohnenindustrie denkt man hinsichtlich möglicher Lösungen an Transponder, welche wir aus genannten Gründen nicht wollen.

Paragliding.de: Wie sehen Bestrebungen des Verkehrsministeriums in Bezug auf eine zukünftige Drohnennutzung aus? Gibt es hierbei Unterschiede zwischen Hobby und gewerblicher Nutzung (z.B. Paketdrohnen)?

Björn Klaasen: Europäische Überlegungen der EASA trennen ganz klar Hobby- und Gewerbedrohnen. Wir rechnen mit entsprechenden Gesetzesänderungen. Das Thema ist leider noch nicht bei der Bevölkerung angekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Transportdrohnen im Bereich der Päckchenauslieferung von der Bevölkerung gewünscht sind. Mit anderen Worten: Es muss auch von anderer Seite Gegenwind kommen, da wir Flieger einfach zu wenige sind.

Paragliding.de: Nochmals zurück zu den Transpondern, müssen wir Gleitschirmflieger uns denn zukünftig mit diesem Thema verstärkt befassen?

Björn Klaasen: Ein klares Ja. Seitens des DHV werden wir alles versuchen, um für unsere Piloten das Beste zu erreichen.

Paragliding.de: Vielen Dank Björn für das aufschlussreiche Interview und deine Unterstützung!

Das Entwicklung der Drohnenpolitik bleibt also spannend bzw. birgt für die Zukunft deutliche Brisanz! Der DHV sagte mir neben dem Interview außerdem noch zu, dass das Thema Drohnen für das übernächste DHV Info (Juli Ausgabe) vorbereitet wird. Ich bin gespannt wie sich das Thema weiterentwickelt und bleibe daher am Ball…