Was für ein Schmuddelwetter … während sich draußen Wasserfälle vom Himmel ergießen, nutze ich die Zeit um den PC aufzuräumen und in Erinnerungen zu schwelgen. Und siehe da, stolpere ich dann doch noch über meine Portugal und Brasilien-Berichte. Die hatte ich eigentlich seit der Zwangs-Abschaltung meines früheren Blogprojektes als verloren geglaubt.Und auch wenn die Berichte schon 2012 bzw. 2013 von mir veröffentlicht wurden, so denke ich, lesen sich die Geschichten recht kurzweilig. Daher erlaube ich mir diese erneut online zu stellen und wünsche euch viel Spaß damit…

Es geht los mit Paragliding in Portugal an der Algarve (2013)… die Brasilen Storys (z.B. Paragliding@Balneário Camboriú / 2012) kommen ein paar Tage später…

Paragliding @ Portugal / Algarve

Bereits die Anreise stellt mich vor eine interessante Aufgabe. Abflug Sonntag-Morgen in München um 5:50 Uhr!!! Da ich als Nachteule  Samstag abends nicht vor 1-2 Uhr zur Ruhe komme, bleibt mir als einzige sichere Option die Nacht durchzumachen… das bedeutet beste Aussichten für den Folgetag… :/

Trotz meiner Anreisenacht ohne Schlaf bin ich während der drei Stunden Flug in Richtung Portugal fitter als erwartet. In Faro empfängt uns am Fughafen José, unser einheimischer Flug-Guide für die nächsten 7 Tage. Wir fahren eine gute Stunde nach Portimão, dort beziehen wir unser Hotel.

Kurz Eingecheckt, Zimmer bezogen, Ausrüstung zusammengerafft, und schon geht es los zum Fliegen. Spätestens jetzt wird klar, warum der frühe Vogel (der mich trotzdem mal kann…) doch ab und an einen Wurm fängt… so haben wir mit unserer abenteuerlichen Anreisezeit doch einen ganzen Flugtag gewonnen. Also rein ins Auto und ab in Richtung Küste… genauer gesagt nach Bisbo zur Praia da Cordoama zum Küstensoaren.Paragliding Portugal Algarve

Die knapp einstündige Autofahrt an die Praja zieht sich, dafür werden wir mit einem wunderschönen Ausblick auf ein interessantes Soaringgebiet belohnt. Der Wind steht mit SW-Lage leicht schräg an. José fliegt vor und signalisiert uns dass wir loslegen können. Ich lasse mich nicht lange bitten und bereite mich auf den Start vor. Der Startwind liegt laminar jenseits der 20er-Marke, Rückwärtsstart ist Pflicht, mein Groundhandling-Training kommt mir in diesem Moment sehr entgegen.

Der Start klappt reibungslos und ich erfreue mich an zweieinhalb Stunden „Easy Soaring“. Die schroffe Küstlandschaft wunderschön, das Wetter wie bestellt… der Flug wirkt entspannend – so soll Fliegen sein… ein guter Einstand! Nach dem Fliegen das obligatorische Landebier… und so ganz nebenbei noch den Sonnenuntergang genießen. Während der einstündigen Rückfahrt ins Hotel ist es still im Bus… die eine Hälfte schläft, die andere schwelgt in Erinnerung und Erlebnissen… Tip Top, die Woche geht gut los!

Tag 2

Der Wecker meines Zimmergenossen Bernd reißt mich um halb 8 aus dem Schlaf. Alder „“… und wieder einmal wird mir bewusst, wie gerne ich meinen Urlaub doch in Einzelhaft verbringe – leider war nachträglich keine Einzelzelle mehr frei… na denn, Augen zu und durch!

Das Frühstück ist spärlich aber taugt… um 11 Uhr ist Abfahrt, wir fahren wieder an die schroffe Felsküste der Praia … der Wind ist heute allerdings deutlich schwächer als gestern. Nach einer guten Stunde Autofahrt stehen wir am Startplatz … keiner da… weder Gleitschirmflieger noch Wind! Mei, Parawaiting gehört zu unserem Sport ganz einfach wie das Salz in der Suppe…

Die unruhige See verheißt zunehmenden Wind, dennoch warten wir eine gefühlte Ewigkeit bis eine leichte Brise einsetzt. Mir ist langweilig… also rein ins Gurtzeug und bissel spielen am Startplatz. Irgendwann scheint der Wind stark genug und ich wage den Schritt ins Lehre… es trägt!!

Der Wind ist schwach aber reicht gerade so aus um sich mit etwas Paragliding Portugal AlgarveStartüberhöhung über der Kante zu halten. Ich bin gute 10 Minuten alleine in der Luft und genieße die stressfreie Zeit! Leider ist der Genuß  viel zu kurz denn 5 Minuten später steigen meine Fliegerkollegen ebenfalls in den schmalen Soaring-Korridor mit ein. Um sich zu halten muss mit Ideallinie möglichst eng am Hang geflogen werden, daher wird es eng in der Luft! Ich bekomme mit jedem entgegenkommenden bzw. luvseitig an mir vorbeifliegenden Schirm a „gscheite Watschn“… die Wirbelschleppen machen sich durch den schwachen Wind und den schmalen Korridor an meinem erbenszählenden Mentor eben bemerkbar… würg, finde ich gar nicht toll und gehe landen. Mehr ist an diesem Tag nicht mehr drinne… der Wind wird weiter schwächer, schläft bis zum Abend sogar komplett ein. Auf der einstündigen Rückfahrt lasse ich den Tag Revue passieren und bewerte fliegerisch mit nicht befriedigend.

Tag 3

Es wird thermisch… die überregionale Windlage ist schwach, daher fahren wir ins Hinterland in Richtung Faro nach Loule. Dort erlaubt uns ein kleiner Hügel mit ca. 150m Höhenunterschied ein kleines Thermikabenteuer. Der Hügel ist nicht wirklich groß, das Flugfenster für dynamisches Fliegen ist schmal und wir sind nicht wirklich alleine… eine Gruppe Franzosen scheint diesen Spot ebenfalls zu kennen.

12 Gleitschirme + X Franzosen im Verhältnis zu Hügelbreite mal Paragliding Portugal Algarve LouleWindbedingungen ist für mich eine Gleichung bei der nix Positives rauskommen kann. Ich entschließe mich daher den Starthelfer zu spielen und das bunte Treiben von sicherer Entfernung aus anzusehen. Die Thermikblasen die hier durchziehen haben es trotz des geringen Höhenunterschiedes in sich… manche Starts sind  abenteuerlich und enden mit Startabbruch.

Als ein Großteil der Flieger zum Landen geht spricht mich der freie Luftraum an… „Fliegen sollst du, oder für immer am Boden bleiben“… ich höre meinen Schirm mit mir sprechen und freue mich auf einen entspannten kleinen Thermikflug! Aber von wegen… kaum bin ich draussen geht die Schaukelei schon los. Sportliches Fliegen ist angesagt. Der Mix aus thermischen und dynamischen Aufwinden lässt weder vernünftige Thermik noch laminare Dynamik aufkommen und so geht es dahin… auf und nieder immer wieder… J

Die Thermikblasen sind klein und teilweise zerrissen. Um in den schmalen Bärten aufzudrehen ist aggressives Einkurbeln notwendig. Hinzu kommt ein Flugverhalten mancher Fliegerkollegen das mich weit mehr fordert als die zerrissene punktuelle Thermik. Entspanntes Fliegen geht anders – I am not amused, daher entschließe ich mich genervt wieder zu Landung.

Das wars dann auch schon für heute… wieder eine gute Stunde Rückfahrt ins Hotel lassen mir genug Zeit um den Tag zu reflektieren. Ich bin nicht zufrieden…

Tag 4

An Tag 4 fahren wir in Richtung Picota Monchique, eine hügelige Bergkette im Hinterland die uns schon seit unserer Ankunft interessante Flugmöglichkeiten suggeriert. Wir haben Nord-Strömung, das Fliegen an der Küste fällt daher aus… trotzdem haben wir im Hinterland die Möglichkeit auf Thermikflüge – theoretisch eine feine Sache!Paragliding Portugal Algarve

Doch wie es so ist mit Wind und Wetter… die Bedingungen sind nicht optimal! Der Wind drückt an der Benafatima (ca. 322m Höhenunterschied) zu seitlich, und an der Fóia Monchique (ca. 900m) zu stark. Fliegen wäre hier nur unter Risiken möglich. Safety first… daher wieder ab ins Tal, ins nächste Cafe und Parawaiting bei Kaffee und Kuchen…

Sowohl Jose als auch das regionale Forecast-Model sagen keine Besserung voraus, daher entschließen wir uns zur Rückfahrt ins Hotel. Ich merke wie mir die (kumulierten) drölf Stunden Fahrtzeit so langsam auf den Zeiger gehen… außerdem lässt sich der heutige Tag mangels fliegerischer Aktivität nicht bewerten!

Tag 5

Es geht wieder nach Loule zum Thermikfliegen! Die Gruppe Franzosen ist auf dem Heimweg, so hoffe ich dass es sich diesmal etwas entspannter an dem kleinen Hügel fliegen lässt. Meinen ersten Flug beende ich nach einer knappen Stunde wieder freiwillig. Der schmale Hügel ist mit unserer 12 Personen-Gruppe einfach ausgelastet und die kleine Gruppe einheimischer Piloten die noch zu uns stoßen sind für mich als Genußflieger einfach zu viel Arbeit und Stress in der Luft. Ich gehe also landen und warte auf die Nachmittagspause der Anderen…

Und die kommt… und zwar um kurz nach 15 Uhr! J Ich bin etwas verwundert dass sich nur noch drei Piloten in der Luft. So freue mich endlich über meine Chance für entspannendes und ungezwungenes Fliegen.

Und auf geht’s… die Thermik diesmal weniger zerrissen verlangt zwar noch immer sportliches Eindrehen, lässt sich aber diesmal bis zu 450m ausdrehen. Ich bin obenauf und genieße 2h entspanntes Flugvergnügen mit maximal 6 Schirmen in der Luft. Nun habe ich Spielraum in der Luft, keiner kommt sich in die Quere… ich sauge jeden Moment in mich auf. Um kurz vor halb 6 ist neben mir nur noch ein einheimischer Pilot in der Luft und so entschließe ich mich zur Landung. Ich bin sattgeflogen… so soll Fliegen sein!  Trotz heute phasenweise wieder vollem Luftraum erhält der Tag von mir eine glatte 1! Bast… J

Tag 6

Houston – we have a lift-off… spätestens mit Tag 6 wird das Reise-Motto „Easy Soaring“ zum Vollprogramm! Es geht an die Küste vor Loule nach Lúgerossó zum Soaren. Der Forecast verspricht ab ca. 11 Uhr einsetzenden SW-Wind, somit stehen die Bedingungen gut für ein atemberaubendes Soaring-Vergnügen. Alleine der Anblick der knapp 4 km fliegbaren Steilküste stellt mir vor Freude die Nackenhaare auf… dat wird etz echt lustisch!!! J

Der Wind ist anfangs noch schwach, die ersten Flüge sind kurz – teilweise aber schon mit Toplandung. Als der angekündigte laminare Seewind einsetzt bin ich glücklicherweise gerade in der Luft, hollaradiööö… und los geht der Spaß! Ich liebe es… der laminare Seewind trägt mich butterweich in die Höhe und ich gleite an der roten Steilküste entlang. Die atemberaubende Landschaft, das faszinierende Farbspiel der schroffen rot-weißen Steilküste… lange Sandstrände, Meer, Brandung… und wir obenauf bzw. mittendrin… Erinnerungen an Brasilien werden wieder wach…

Nach einer Stunde legt der Wind zu und es wird deutlich frischer. Da ich auf ein mehrstündiges Flugerlebnis nicht wirklich vorbereitet war, entschließe ich mich zu einer kurzen Toplandung. Die Softshell angezogen, Mp3-Player angestöpselt, den Foto in für den Flug greifbarer Nähe verstaut, schnell noch kurz aufs Örtchen verschwunden und schon kann mein mehrstündiges Flugerlebnis losgehen…

Mit smoothen Chillout-Sounds im Ohr reite ich die Küste entlang, spüre den Wind im Gesicht, kreise ein, folge den Seemöwen in ihren Bahnen… raus aufs Meer, Wingovern und sinken, zurück an die Kante und wieder steigen… unter mir ein Golfplatz in sattem Grün, daneben das kontrastreiche Rot der Steilküste, … was ist das Leben nur geil!!! Ich bin angekommen… J

Mit knapp dreieinhalb Stunden Airtime wird Flugtag Nr. 6 als voller Erfolg verbucht… Note 1 mit Sternchen!!!

Tag 7

An Tag 7 wollen wir ein neues Fluggebiet erkunden und fahren an die Westküste. Leider kommt der Wind zu stark nördlich und so warten die Einen und baden die Anderen. Mir persönlich ist der relaxte Tag ohne Fliegen schnuppe, ich bin satt… und genau so sollte es sein!

Tag 8 ist der Tag unserer Abreise und bietet wenig Spannendes… haaalt stop, Tag 8 hat doch etwas besonders zu bieten: Bernd ist einen Tag früher abgereist und so klingelt an diesem Tag kein Wecker… im Ergebnis darf ich bissel Schlaf nachholen und verpenne mal glatt das Frühstück!!! J Wecker hin oder her, lustig war es letztendlich dann doch im Doppelzimmer! Danke Bernd  – gerne wieder! 😉

Fazit:

Portugal ist fliegerisch wie auch landschaftlich eine Reise wert! Die unterschiedlichen Fluggebiete bieten Mitte Oktober sowohl Thermikspass wie auch Soaringvergnügen. Teilweise sind die Fluggebiete kompakt und so kann es bei einer 12er-Gruppe mitunter schon mal eng werden in der Luft. Wem das zu viel ist, der bucht sich gleich in einem Hotel an der Lúgerossó ein, wartet auf den benötigten SW-Wind und semmelt die 4 km Steilküste rauf und runter – das Erlebnis alleine ist schon die Reise wert!!!

Wer gerne in der Gruppe unterwegs ist, leistet sich mit dem Portugal-Angebot von Blue Sky keinen Fehlgriff, die Reise war einwandfrei geplant und ist zeitlich eine interessante Alternative um den Schmuddelwetter zuhause zu entfliehen. 6,5 Tage Sonnenschein und knapp 11 Stunden Airtime dürften mein Fazit bekräftigen… J

Vielen Dank an Lisa von Blue Sky für eine charmante und lückenlose Rundumbetreuung sowie an den Wettergott für 7 Tage Tip Top-Sonnenschein.

See you soon in sky… in BLUE SKY! 😉

Markus


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