Der Erklärbär ist heute mal unterwegs und befasst sich mit der grundsätzlichen Frage: Was ist Gleitschirmfliegen ? Die ganz Schlauen blättern einfach weiter, alle Anfänger oder am Gleitschirmsport Interessierten finden diesen Artikel möglicherweise hilfreich und interessant!

Aaalso ich hau den jetzt einfach mal raus: Was ist Gleitschirmfliegen??

Gleitschirmfliegen ist womöglich die ehrlichste Form des Fliegens, mit der man auf einfache und unkomplizierte Weise in die Luft kommt!

Ganz so einfach will ich Euch natürlich nicht abspeisen und gehe deshalb intensiver auf die Frage ein, was ist Gleitschirmfliegen und wie hat es sich entwickelt. Dabei ist Paragliding (Englisch für Gleitschirmfliegen) ein relativ junger Sport und entwickelte sich aus dem Pioniergeist der Personen, die die Einfachheit des Fliegens auf die nächste Stufe bringen wollten.

Fragt man Gleitschirmflieger was sie an ihrem Sport fasziniert, so kommen meistens immer ähnliche Antworten zurück: “Es ist die Einfachheit, das Freiheitsgefühl, die Naturverbundenheit und die Ruhe die gleichermaßen begeistern.”

Ich würde beinahe behaupten, dass das Gleitschirmfliegen weniger ein körperlicher Sport, als eine mentale Erfahrung ist, da es durchwegs Glücksgefühle und Freude bereitet. Und das wird eigentlich nur durch ein Gleitsegel mit Leinen daran und einem Sitz darunter erreicht. Im Grunde genommen müsste man für verrückt erklärt werden, sein Leben an ein wabbeliges Stück Stoff zu hängen, und doch findet Gleitschirmfliegen immer mehr Anhänger und hält abertausende Piloten fest in seinen Bann.

Was ist ein Gleitschirm ?

Was ist Gleitschirmfliegen

Im Grunde genommen besteht unser Fluggerät aus einem einfachen Pendelkonstrukt. Der Pilot fungiert dabei als Masse und hängt lotrecht unter einer Tragfläche, wodurch diese in einem auftriebserzeugenden Anstellwinkel gehalten wird. Die Tragfläche selber besteht aus reißfestem Ripstop-Nylongewebe mit einer Polyurethan-Beschichtung um das Material luftundurchlässig zu machen. Dies ist besonders wichtig um den formbildenden Staudruck im Gleitsegel aufrecht, und somit Leistung, Auftrieb und Sicherheit gewährleisten zu können. Aufgebaut ist das Ganze in mehreren, untereinander verbundenen Segmenten, auch Zellen genannt. Über einen Lufteinlass an der Eintrittskante wird das eigentlich instabile Gleitsegel mit einströmender Luft versorgt und bildet somit eine profilierte Auftriebsfläche, ähnlich der Tragfläche eines Flugzeugs. Verbunden wird das Gleitsegel mit dem Gurtzeug des Piloten über viele Leinen, die sich immer weiter verzweigen um die Last gleichmäßig auf das Tuch zu verteilen. Diese bestehen meist aus Aramid-, Nylon- oder Rayonfasern (Kunstseide). Gesteuert wird der Gleitschirm unter anderem über die Steuerleinen am Ende des Gleitschirm-Profils, welche über Schlaufen für den Piloten zu greifen sind.

Wie funktioniert Gleitschirmfliegen?

Wie zuvor erwähnt kann der Pilot über die Steuerleinen in die Aerodynamik des Gleitschirms eingreifen und ihn dadurch steuern. Zieht dieser beispielsweise an der rechten Seite, wird der hintere Teil des Gleitsegels heruntergezogen. Dadurch erhöht sich der Widerstand für die umströmende Luft und bildet zuerst mehr Auftrieb, welcher mit zunehmendem Steuerleinenzug in Bremswirkung für die jeweilige Seite resultiert. Anhand einfacher Hebelgesetze besitzt die linke Seite nun eine höhere Relativgeschwindigkeit und somit dreht der Gleitschirm rechts herum. Bei gleichzeitigem Steuerleinenzug verbessert sich zunächst der Gleitwinkel aufgrund der Auftriebserhöhung. Aufgrund der immer stärker werdenden Verwirbelungen an der Hinterkante wird der Gleitschirm bei zunehmendem Steuerleinenzug aber immer weiter abgebremst. Auch durch die Verlagerung des Körpergewichts in die eine oder andere Richtung ist eine Kursänderung möglich und kann durch die Zuhilfenahme der Steuerleinen unterstützt werden.  In die Luft kommt der Gleitschirm durch das Aufziehen gegen den Wind, wodurch sich die Kammern mit Luft füllen und ihm seine auftriebserzeugende Form verleihen. Nun muss das entstandene Flügelprofil nur noch so schnell von der Luft umströmt werden, dass der dynamische Auftrieb groß genug ist um den Piloten tragen zu können. Dafür hält der Pilot den Gleitschirm über sich und beginnt zu laufen, sodass er mitsamt dem Gleitschirm eine ausreichende Startgeschwindigkeit erreicht hat und abhebt. Diese liegt bei etwa 20 bis 25 Stundenkilometern, abhängig vom Gegenwind. Die eigentliche, erfliegbare Fluggeschwindigkeit reicht von 35 bis 55 Stundenkilometern, je nachdem wie leistungsfähig der Gleitschirm ist.

Was ist Gleitschirmfliegen

Sobald sich der Gleitschirm im Flug befindet wird er durch die Luft getragen und kann Entfernungen, entsprechend seiner Gleitzahl, zurücklegen. Die Gleitzahl gibt das Verhältnis zwischen Ausgangshöhe und der erreichbaren Wegstrecke an und ist sehr stark von Wind und Wetter abhängig. Ist das Fluggerät beispielsweise mit einer Gleitzahl von 6 angegeben und befindet sich in gutem Zustand, kann es bei optimalen Wetterbedingungen das sechsfache seiner Ausgangshöhe in der Horizontalen zurücklegen. So sind beispielsweise aus einem Kilometer Höhe sechs Kilometer in der Weite drin. Wer jetzt länger fliegen will, oder höher hinaus möchte ist auf die Natur angewiesen. Denn hier kommt die Thermik oder dynamische Aufwinde ins Spiel. Die Thermik, oder auch Thermodynamik, entsteht am Boden durch Erwärmung der sich dort befindlichen Luft. Da warme Luft eine geringere Dichte aufweist als kalte Luft, steigt sie auf und kühlt dort wieder ab. Befindet sich nun ein Gleitschirm im Bereich dieser sogenannten Ablösung, wird er von ihr mitgenommen und gewinnt an Höhe. Der dynamische Aufwind hingegen entsteht durch lokale Windströmungen an Hindernissen im Gelände, beispielsweise einem Berg. Strömt der Wind an dessen Flanke heran, wird er abgeleitet und erhält zu seiner horizontalen nun auch eine vertikale Komponente. Fliegt ein Gleitschirmpilot nah genug an der Flanke entlang, wird er durch den dort aufsteigenden Wind ebenfalls getragen. So kann sogar noch deutlich über dem Gipfel von diesem Effekt profitiert und Höhe generiert werden. Andererseits kann eine laminare, also gleichmäßige und verwirbelungsarme Strömung auch dazu genutzt werden in Bodennähe zu fliegen. So finden sich oft am Meer Fluggebiete, an denen das sogenannte Küsten-Soaring möglich ist.

Unter Ausnutzung dieser Aufstiegshilfen und mit ein wenig Übung können so auch teilweise beachtliche Strecken zurückgelegt, oder einfach nur stundenlang in der Luft verbracht werden. Der Weltrekord im Streckenfliegen liegt übrigens bei über 560 km!

Woher kommt das Gleitschirmfliegen?

Der Gleitschirm wie man ihn heute kennt entwickelte sich im Grunde genommen parallel zu den neu aufgekommenen, steuerbaren Fallschirmen. Davon ausgehend, dass mit der Entwicklung dieser einfach aufgebauten Abstiegshilfen bereits Ende der 40er Jahre begonnen wurde, ist das Gleitschirmfliegen so gesehen gar nicht so jung wie angenommen. Einer der ersten Pioniere auf diesem Gebiet war Melvin Rogallo, dessen Name übrigens noch heute allgegenwärtig bei den Rettungsgeräten zu finden ist. Er testete schon Anfang der Sechziger einen dreieckigen, steuerbaren Stoffschirm an den Dünen von Kitty Hawk. Besonders erfolgreich war er damit nicht, eine weitere Entwicklung konnte erst von den Nordamerikanern David Barish und Domina Jalbert verzeichnet werden. Barish konstruierte eine längliche Stofftragfläche mit Leinen daran, allerdings ohne Zellen wie wir sie heute kennen, und konnte schon 1966 erfolgreiche Flüge von Skipisten unternehmen. Diese als „Slope Soaring“ bezeichneten Abgleiter verhalfen ihm zwar damals nicht zu großem Ruhm, können aber heute als Grundstein für den Gleitschirmsport angesehen werden.

Deutlich erfolgreicher war hingegen der gebürtige Kanadier Jalbert, dessen Arbeit eigentlich nicht dem Vergnügen abenteuerlustiger Flugenthusiasten dienen sollte, sondern vielmehr eine Geschäftsidee für großflächige Werbung darstellte. Mit seinen Parafoil genannten Matratzenschirm, dieser hatte wie heutige Fallschirme mehrere Zellen um einen Staudruck und damit ein Profil zu erzeugen, wollte er Firmen große Werbeflächen für windstarke Tage anbieten. Erst Steve Snyder, ein US-amerikanischer Fallschirmspringer, wurde auf Jalberts Erfindung aufmerksam als er Ersatz für die veralteten und wenig zuverlässig steuerbaren Rundkappen suchte. 1970, innerhalb nur eines Jahres, entwickelte er die noch heute verwendeten Flächenfallschirme. Diese waren so leistungsfähig und weitaus praktikabler als die zuvor verwendeten Schirme, dass sie diese innerhalb kürzester Zeit verdrängten und das Fallschirmspringen auf die nächste Stufe brachten.

Doch wo kommt nun das Gleitschirmfliegen ins Spiel?!  Nun ja, eigentlich wollten sich zwei französische Fallschirmspringer den kostenintensiven Aufstieg per Flugzeug sparen, da sie nur Ziellandeübungen trainieren wollten. So starteten sie mit ihren Flächenfallschirmen von einem Hügel aus und landeten erfolgreich auf dem gesetzten Zielpunkt. Was dabei als Sparmaßnahme begann fand immer größeren Anklang, da es deutlich preisgünstiger war und von einer Person ganz alleine ausgeübt werden konnte. Von hier aus, wir schreiben mittlerweile das Jahr 1978, entwickelte sich der aufstrebende Gleitschirmsport rasant in alle Himmelsrichtungen und immer mehr Pioniere und Interessierte widmeten sich der Konstruktion von Schirmen und Erschließung neuer Fluggebiete.

Als neuen Meilenstein präsentierte der Schweizer Laurent de Kalbermatten seinen „Randonneuse“. Dieser, im Vergleich zu den neuen Fallschirmen etwa doppelt so leistungsfähige Gleitschirm, revolutionierte nicht nur den Hangstart und machte ihn deutlich leichter, sondern kommt unseren heutigen Fluggeräten auch optisch sehr nahe. In Deutschland ist das Gleitschirmfliegen übrigens seit 1987 eine offiziell anerkannte Luftsportart und wird durch den DHV (Deutscher Hängegleiterverband) vertreten.

Für weitere tolle Impressionen und tiefgreifendere Geschichte zum Gleitschirmfliegen und der Entwicklung empfehle ich euch folgendes Video. Weniger empfehlend für die Gesundheit ist hingegen der Start am Ende – sehr gefährlich, also nicht nachmachen!

Was ist Gleitschirmfliegen – Zusammenfassung

Das Gleitschirmfliegen ist zurecht eine der schönsten Sportarten und besticht nicht nur durch seine Einfachheit, sondern auch durch die intensive Verbindung des Piloten zu seiner Umwelt. Einfach deshalb, weil alles zum Fliegen nötige Material in einen Rucksack passt, der bequem zu Fuß auf einen Berg transportiert werden kann. Oben angekommen kann mit wenigen Handgriffen ein leistungsfähiges Fluggerät für den Start vorbereitet werden um im nächsten Augenblick beinahe vogelfrei in die Luft zu steigen.

Natürlich sind Gleitschirmpiloten aufgrund des filigranen Sportgerätes deutlich abhängiger vom Wetter als beispielsweise Motorflieger, aber macht nicht gerade das Erleben der Natur und Umgebung diese Faszination aus?! Zu spüren wie man nur von einem leichten Wind getragen wird, oder die Kraft einer aufsteigenden Thermikablösung im Hochsommer unter seinem Schirm zu fühlen. Darüber hinaus kann fast jeder diese tolle Sportart ausüben, denn die physischen Anforderungen an den Piloten sind nicht besonders hoch und der Geldbeutel wird im Allgemeinen von allen Luftsportarten am wenigsten belastet. Egal ob zierlich oder groß, Student oder Rentner – der Spaß am Gleitschirmfliegen reicht von 14 Jahren bis ins hohe Alter.

Zudem kann Gleitschirmfliegen fast überall ausgeübt werden. Sei es in den Alpen, im Flachland an einer Seilwinde, am Meer beim Dünen-Soaring oder an einem der vielen Erhebungen des Mittelgebirges. Und auch außerhalb Deutschlands hat sich mit der Zeit über alle Kontinente eine mehr oder weniger ausgeprägte Fliegergemeinschaft entwickelt. So sind fast überall im Alpenraum Start- und Landeplätze angelegt, an denen sich bei guten Bedingungen etliche Gleitschirme tummeln.

Außerdem bedient das Gleitschirmfliegen Actionliebhaber und Genießer gleichermaßen. Ob mit dem Schirm rasante Manöver geflogen werden oder auf Streckenjagd nach jedem weiteren Kilometer gefiebert wird bleibt einem selbst überlassen. Auch ein entspannter Abgleiter in der Abendsonne nach Feierabend, sofern der Luxus eines Fluggebietes in der Nähe vorhanden ist, hat seinen Reiz.

Auch wenn wir Gleitschirmflieger meist alleine im Gurtzeug sitzen ist es ein geselliger Sport, der von der Gemeinschaft und dem Zusammenhalt profitiert. Durch den freundlichen Fliegerkollegen am Startplatz der dir unter die Arme greift, oder beim Fachsimpeln am Landeplatz nach einem spannenden Flug entsteht die Verbundenheit unter den Gleitschirmfliegern. Und wenn es dann doch einmal zu viel wird, schnappst du dir einfach deinen Schirm und genießt die Ruhe und Freiheit bei einem weiteren, atemberaubenden Flug.