Die Mehrzahl der Piloten in Deutschland wird in den Bergen ausgebildet. Auch wenn sie im deutschen Flachland wohnen, landen sie eher am Übungshang als in einem Windenschlepp-Grundkurs. Vielleicht hat ein spektakulärer Tandemflug vor dem Alpenpanorama im Urlaub Appetit aufs Fliegen gemacht. Im nächsten Urlaub findet schon der Gleitschirmkurs statt. Die Stimmung ist super, ein Schirm ist schon gekauft, der A-Schein endlich bestanden. Jetzt kann es mit dem Fliegen eigentlich richtig losgehen. Doch wie kommt man zum regelmäßigen fliegen – als Flachlandbewohner?

Was sind die Vorteile des Windenschlepps

Viele Piloten stehen dem Windenschlepp erstmal skeptisch gegenüber. Das ist oft noch aus den Anfangszeiten des Windenschlepps überliefert. Die anfänglich zum Teil unausgereifte Technik sorgte für schwierige Schlepps. Sowohl Piloten als auch Windenfahrer konnten noch nicht auf viel Erfahrung zurückgreifen. Das hat sich mittlerweile gründlich geändert: schon seit über zehn Jahren ist es daher möglich, die gesamte Ausbildung – vom ersten Grundkursflug an bis zum A-Schein – an der Winde zu machen.

 

Piloten, die im Flachland leben, können dann mit einer Windenstartberechtigung

  • Spontan Fliegen gehen, wann immer die Bedingungen es zulassen. Viele Vereine und Flugschulen schleppen nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche am Nachmittag.
  • Sich die guten Flugtage aussuchen – statt die Wetterbedingungen zu nehmen, die nun eben in der gebuchten Urlaubswoche herrschen.
  • Damit sicher und ohne Druck bei guten Bedingungen schöne Flugerlebnisse genießen
  • Sich die schwere Entscheidung sparen, welches Fluggebiet am langen Wochenende wohl vom Wetter her „geht“.
  • Statt dessen in dem eigenen Fluggebiet „vor der Haustür“ regelmäßig Flugerfahrung sammeln. Denn oft können die Vereine ihre Winden auf die vorherrschende Windrichtung ausrichten.
  • Durch die regelmäßigen Flüge Sicherheit und damit Flugspaß gewinnen.
  • Anfahrt-Zeit sparen und schon in ruhigen Morgen-Bedingungen zum Fliegen gehen. Die für Anfänger  geeigneten Bedingungen nutzen, da lange Anfahrten in ein Fluggebiet entfallen.
  • Den Geldbeutel schonen. Benzinkosten für die Anreise in die Berge, die Kosten für die Seilbahn und die teure Unterkunft im Fluggebiet entfallen.
  • Die Umwelt schonen, weil Autofahrten und damit Kohlenstoff-Emissionen gespart werden

 

Windenschlepp – wie geht das?

Die Technik des Windenschlepps unterscheidet sich nicht sehr von der Technik des Bergstarts. Es gilt vom Prinzip her: der Wind sollte von vorn kommen, leichter Seitenwind ist aber genauso wie am Hang kein Problem. Da der Pilot auf der flachen Wiese startet, muss er de Schirm entschlossener als am Hang hochziehen. Da unterstützt die Hangneigung ja oft. Es helfen die modernen Schirme, die mit den super Starteigenschaften vieles kompensieren – schon im A-Segment.

Danach kommt der Hauptteil, durch den sich der Schlepp vom Bergstart unterscheidet: Das Fliegen am Seil. Dies ist sicher der Teil, zu dem Piloten, die nur den Bergstart kennen, zunächst am wenigsten Zutrauen fassen. Hier gilt – wie auch am Hang – Übung macht den Meister. Ein umsichtiger, gefühlvoller Schleppstil hat sich mittlerweile durch die regelmäßigen Schulungen des DHV in den meisten Vereinen durchgesetzt. Nach erreichen der Schlepphöhe klinkt man sich aus und danach gilt: Flug genießen, Thermik finden, Ausblick bestaunen. Zur Landung geht es in der Regel direkt wieder am Startplatz, so dass vor einem erneuen Start keine neue Bergfahrt steht.

 

Komplette Ausbildung an der Winde möglich

Viele lernen das Gleitschirm- oder Drachenfliegen im Urlaub in den Bergen kennen und erleben es daher als Bergsportart. Schon seit vielen Jahren hat sich der Gleitschirm- und Drachenflug im Flachland etabliert. Heutzutage kann  die gesamte Ausbildung an der Winde stattfinden. Neben den oben beschriebenen Vorteilen kann man als Flachlandpilot in der Ausbildung auch die Staus und Reisekosten bei der Anfahrt ins Gebirge sparen. Im Gebirge als Fremdenverkehrsziel sind zudem auch Unterkunft und Verpflegung oft teuer. Oft bedenkt man das bei der Planung der Ausbildung nicht. Man fährt ja in den Urlaub und denkt sich, dass muss dann eben sein. Muss es aber nicht.

Der Ausbildungsgang zum A-Schein an der Winde beinhaltet wie auch beim Bergstart einen Grundkurs und einen Höhenflugkurs. Oft müssen Schulen im Gebirge eine Schulungspause in der Mittagszeit machen. Hangstarts sind durch die starken Talwinde und die Mittagsthermik für Schüler oft nicht möglich. Dies Wettergeschehen entfällt im Flachland zum Teil: kein Tal, kein starker Talwind, der das Landen schwierig macht. Die Bedingungen am Start sind zugleich die Bedingungen am Landeplatz. Natürlich wirkt sich die Thermik im Flachland auch über die Mittagszeit aus . Sie ist aber oft viel zahmer und für die Schulung weniger einschränkend.

Die Anzahl der Flüge ist bei beiden Ausbildungswegen gleich. Wenn man aber die Kurskosten plus Anfahrt, Unterkunft und Bergfahrten zusammenrechnet, kommt man beim Windenschlepp pro Flug deutlich preiswerter weg als beim Hangstart. Zusätzlich gibt es eine bessere Frequenz, da die Auffahrten entfallen.

 

Quereinstieg auch innerhalb der A-Schein Ausbildung möglich

Piloten, die den Grundkurs an Hang absolviert haben, stehen dann vor der Frage, ob sie einen (oder mehrere) weitere/n Urlaub/e in den Bergen in der Höhenflugausbildung verbringen. Manchmal wird Ihnen zu diesem Zeitpunkt die Alternative bekannt, nahe Ihres Heimatortes vielleicht zur Höhenflugausbildung an die Winde zu gehen. Das ist vom Ausbildungsablauf her möglich, völlig problemlos und kommt regelmäßig vor.

Häufiger noch ist der Quereinstieg von Piloten, die einen Teil der Höhenflugausbildung am Hang begonnen haben. Nun erkennen sie die Aufwände klar, die Flachlandpiloten auf sich nehmen müssen, um die Ausbildung in den Bergen abzuschließen. Der Umstieg auch innerhalb der Höhenflugschulung ist kein Problem. Die Anzahl der Flüge, die am Hang gemacht wurden, kann anerkannt werden, auch das ist eine völlig gängige Praxis.

 

Wie wird man Windenpilot?

Auch nach der A-Schein Prüfung bleiben die Aufwände für Flachlandpiloten natürlich bestehen. Die Wetterverhältnisse am Startberg aus mehreren hundert Kilometern Entfernung für ein kommendes Wochenende einzuschätzen, ist für einen neuen Piloten oft herausfordernd. Geht die Planung schief, kann es sein, dass man eine lange Anfahrt auf sich genommen hat und doch nicht zum fliegen kommt. Dieser Zeit- und Kostenaufwand übersteigt das, was die meisten Piloten regelmäßig aufbringen können. So gerät das Fliegen mehr und mehr in den Hintergrund. Die Übung verblasst, die Sicherheit wird nicht entwickelt. Wobe dies genau der wichtigste Punkt für den frischgebackenen A-Schein Piloten ist: Häufig fliegen um Erfahrungen zu sammeln und selbständig Sicherheit aufzubauen. Am Hang fertig ausgebildete Piloten können eine einfache Windenschlepp-Einweisung machen, die aus 20 Flügen an der Winde und einer Windentheorie besteht.

 

Windeneinweisung gemacht – und dann?

Schon während der Einweisung in die Startart Windenschlepp durch eine Flugschule nahe des Heimatortes wird ein Pilot viel über die Vereine der Umgegend erfahren.

Bei den zahlreichen Vorteilen, die oben beschrieben wurden, verwundert es nicht, dass sich immer mehr Piloten zu Windengemeinschaften zusammenschließen um „zu Hause“ fliegen zu gehen. Die Thermik im Flachland ermöglich genau wie die Thermik in den Bergen stundenlanges Fliegen und auch Streckenflüge. Den  atemberaubenden Blick über eine Kilometerweite hindernisfreie Landschaft gibt es inklusive. Die meisten Vereine bieten auch Gastschleppregelungen – zum kennenlernen allemal.

 

Mehr zur Windenschleppeinweisung auf der Homepage der Drachen und Gleitschirm Flugschule FlymagicM – fliegen bei Berlin www.flymagic.de